Wein aus Rottweil? Das ist kein Fasnetsscherz, das ist heiligster Ernst! Wir haben daher den Önologen unseres Vertrauens, Thamos B. Creuer, gebeten, Sie, liebe Leserinnen, und uns, die Verklepferredaktion, auf den neuesten Stand zu bringen.
Der höchste Weinberg Europas liegt in Visperterminen im Kanton Wallis. Ein Ort, der klingt wie eine Verabredung mit einem Weinflüsterer: Wisper-Termin. Der höchste Weinberg in Baden-Württemberg erreicht 560m am Südhang des Hohentwiels. Das können die Rottweiler bald lässig toppen, denn bis zur Landesgartenschau 2028 sollen 670 Rebstöcke auf den Lagen „Am Höllenstein“ und dem „Schwarzen Felsen“ stehen – und möglichst liefern. Am Höllenstein ist der Hang teilweise so steil, dass die Reben ein Überhangmandat brauchen. Positiv ist, dass sie überwiegend auf seltenen Erden gedeihen werden.
Vor kurzem hat im Refektorium im Kapuziner die Gründungsversammlung des Vereins CIVITIS Bürgerweinberg Rottweil e.V. stattgefunden. Das ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist, dass sich CIVITIS auch um eine Champagnerlinie kümmern wird. Mir wurde ein geheimes Strategiepapier zugespielt, das ich gerne brühwarm mit der Rottweiler Weltöffentlichkeit teilen möchte. Sparen wir uns die Details, hier kommen die Einzelheiten:
Obschon bei CIVITIS sehr viel Know-How versammelt ist, geht das nicht ohne Hilfe von außen, und die sucht man sich natürlich bei der grande nation, die steht für grandiose Gourmetanlässe, für raffinierte Menüfolgen, und vor allem eine exquisite Trinkkultur: Großbritannien! Bei Champagner handelt es sich um Schaumwein – wo kriegen die Rottweiler bitte schön den Schaum her? Da wurde soeben ein Vorvertrag mit der Gemeinde Ullapool an der schottischen Westküste abgeschlossen: Die liefern den Schaum und kriegen dafür jedes Jahr einen Fuder Rott-Wein sowie zwei Rottweiler-Welpen. Und mögen auch Welpen zwischen uns liegen – die Schotten verstehen sich auf alkoholische Traditionen, dort heißt es z.B.: „Breakfast is the most important drink of the day!”
Drum Mädels, kommt her und stoßt mit uns an
Auf das Wohl aller willigen Zecher!
Ein paar Whisky zum Frühstück, einen Riesling und dann
Champagner im Plastikbecher.
Was nur wenige wissen: Bereits 2015 haben sich der Franzose Pierre Emmanuel Taittinger und der Engländer Patrick McGrath zusammengetan, um in der Domaine St-Moonshine-on-the-Rocks Reben von Chardonnay und Pinot Meunier anzupflanzen. Die Böden im Süden der Kritischen Inseln ähneln denen der Champagne, und wegen des steten Regens bedarf es keiner künstlichen Bewässerung. Das ist ein Sekt, der dank Botoxzusätzen nicht altert, ein Produkt, mit dem die Engländer ihren ungeliebten Nachbarn jenseits des Ärmelkanals die Schau stehlen könnten – aus rechtlichen Gründen muss es freilich noch „English Quality Sparkling Wine – Méthode traditionelle“ heißen. In den südenglischen Grafschaften Kent und Sussex gedeihen Trauben auf Kalkböden, die früher Äpfel, Birnen oder Pflaumen vorbehalten waren. Leider kann das zu Vitaminengpässen und somit zu Skorbut führen, da muss man halt wacker gegen antrinken.
Wenn die das selbst in England hinkriegen, sollte das doch bei uns auch funktionieren – sozusagen eine Blaupause für Rottweils Champagnerproduktion. Einen Slogan hätten wir schon: „We are the Champaigns!”