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Nillertitsivoq karnevalimi aamma!
Klimawandel! Es wird wärmer, das Wetter macht uns die Hölle heiß. Das bekommt auch die Fasnet in Rottweil zu spüren. Wir baten daher unseren Fastnachts-, Brauchtums-, Sprach- und Wetteranalysten Thamos B. Creuer, die Zusammenhänge aufzudröseln. Halt so, dass wir sie auch verstehen. Bitteschön:
Hier das Wetter für Grönland für morgen,
von der amerikanischen Ostküste bewegt sich ein Tiefschlagausläufer in Richtung Osten. Der führt eine steife Krise mit sich, die zwar überwiegend aus heißer Luft besteht, jederzeit aber umschlagen kann in eiskaltes Kalkühlwetter. Gute Bedingungen, um ein Mütchen zu kühlen. Befürchtet werden die stärksten Böen seit dem Sturm aufs Capitol. Genauere Prognosen sind schwierig wegen der allgemeinen Extremwetterlage, es ist zur Stunde nicht vorhersagbar, ob Stormy Daniels vielleicht doch noch knapp vor der Küste Grönlands abdreht in Richtung Panama-Kanal. In der Region Kulusuk stellenweise Kriebelmücken, in Upernavik heftige Wehverschneeungen. In Kopenhagen sind kalte Schultern zu beobachten, die Bevölkerung hat mit Eisbechern zu rechnen. Die Lage ist kritisch, aber vielleicht bleibt doch alles nur ein Sturm im Wasserglas.
Warum erzähle ich euch das eigentlich, was interessiert uns das Wetter in Grönland? Ganz einfach: Weil die Fasnet dringend verlagert werden muss, denn das Wetter macht uns die Hölle heiß. Die Erderwärmung hat uns eiskalt erwischt. Früher gab es noch den schönen Brauch der Dachlawinen, die waren identitätsstiftend. Wo sind die hin? Narrentreiben im Schneetreiben – wann gab es das zuletzt? Schockgefrostete Schantle sucht man vergeblich. Niemand kommt mehr durch die kalte Küche, die Menschen sind leicht entflammbar. Am Aschermittwoch ist keiner mehr erkältet, das ist existenzbedrohend für Ihren Arzt oder Ihren Apotheker. Die Vitaminzufuhr ist gefährdet, weil Eisbergsalat aus dem Sortiment verschwunden ist. Stattdessen versagt das Deodorant im Kleidle. Hitzschlag gehörte früher nicht zu den verbreiteten Diagnosen. Narren werden von Tigermücken verfolgt. Es gibt kein Packeis auf dem Neckar, und in Rottweil soll sogar Wein angepflanzt werden. Dazu ist es meist derart windig, dass hier gar keine Hängebrücke gebaut werden kann – für den Fall, dass das irgendwer vorhaben sollte.
Deswegen wurde jetzt die Bürgerinitiative MFCA gegründet– Make Fasnet Cool Again! Cool – im wahrsten Sinne des Wortes! Wenn es in der Region nicht gelingt, die Temperaturen wieder runterzufahren, z.B. mit der erhöhten Produktion von Eiswürfeln oder der Ansiedlung von Kaltmamsellen, bleibt nur noch eine Alternative, aber: mit Grönland gibt es zwei Probleme. Erstens die Erderwärmung. Gestern meldete die Gemeinde Qaqotoq zwei Grad plus. Im Süden der Insel wird neuerdings Brokkoli angebaut. In Grönland! Viel schlimmer ist aber zweitens: Wenn wir in Grönland etwas reißen wollen, müssen wir uns leider hintenanstellen. Egal! Make Fasnet Cool Again! Oder auf Kalaallisut, der Sprache Grönlands: Nillertitsivoq karnevalimi aamma!