KI mischt die Fasnet auf
KI kommt. Oder ist schon da. Auch bei der Fasnet. Die Narrenzunft arbeitet an „ZI“ – Zunft-Intelligenz. Andere hätten lieber mehr „FI“ – Fasnets-Intelligenz.
Die braucht es ja schon nach bisherigen Maßstäben, zum Beispiel, wenn man etwas halbwegs Brauchbares aufsagen will. Dass die FI nicht im Überfluss vorhanden ist, lässt sich daran ablesen, wie wenige Narren wirklich aufsagen.
KI soll diesem und anderen Mängeln nun abhelfen. Das hofft jedenfalls die Narrenzunft. Sie will Aufsagewilligen KI-Chatbots zum Trainieren zur Verfügung stellen. Da wird man dann in Schritt-für-Schritt-Anleitungen gecoacht, wie Aufsagen geht – von der Kontaktaufnahme bis zum abschließenden Hu-hu-hu. Alles online vorab. Aber lizensiert von der Narrenzunft.
„Es gibt ja auch nicht autorisierte Anbieter“, berichtete ein Zunft-Insider dem „Verklepferblättle“. Chinesische und taiwanesische Entwickler seien auf dem Markt. Auch Amerikaner mischten mit, verriet er. Das merke man zum Beispiel daran, weil solche KI-Chatbots den Aufsage-Anwärtern seit Kurzem nur Freundliches über Donald Trump und Elon Musk nahelegten.
Aber diese Konkurrenten wolle man ausschalten, bekräftigte der Zunft-Mann. Nur von der Zunft zertifizierte KI-Trainingsprogramme sollen anerkannt werden. Die sind voraussichtlich kostenpflichtig. Aber immerhin mit abschließender Zunft-Bescheinigung.
Die Narrenzunft wittert beim Thema KI jedoch noch mehr Potenzial. Man arbeite an einem „Fasnets-Management System“, heißt es. Das könnte einen ganzen „Narren Live-Cycle“ administrieren – von der Datenaufnahme als Mitglied über das Abbuchen von Jahres- und Sonderbeiträgen, bis zur vollautomatischen Vergabe von Sprungbändeln. Das gebe für die Zunft dann eine „Smart Fasnet“, bei der die Wadelkappen weniger Stress hätten.
Buchen die Narren auf ihrem Service-Interface eine „KI Watch“ dazu, bekommen sie nach der Fasnet sogar eine Auswertung der gemachten Schrittzahl und der verbrauchten Kalorien. Ob die „Aufsage-Performance“ anschließend von den „Aufsage Partnern“ evaluiert und als „Leistungs- und Lernchancen-Profil“ übermittelt wird, ist noch offen. Technisch möglich wäre es.
KI könnte auch Narren dabei unterstützen, nicht nach drei Narrensprüngen wegen knausriger Fehlkalkulation mit noch fast voller Schnupfdose dazustehen. Ein Assistenz-System könnte einen dosierten Auswurf steuern. „Agile Navigationssysteme“ könnten zudem helfen, Lücken im Sprung zu minimieren und die Sprunggeschwindigkeit nach Zunft-Plan zu regulieren.
Dass Narrenbücher künftig überwiegend von KI kreiert werden, steht für die Zunft-Oberen schon außer Frage. Sie will die eingesetzten KI-Systeme freilich so optimieren, dass über die Narrenzunft nur Nettes herauskommt.
Aber nicht nur individuell kann man sich KI-seitig unterstützen und zu optimaleren Ergebnissen anspornen lassen. Auch die Zunft will zulegen. Demnächst wird zum Beispiel der Proklamations-Text von KI ersonnen. Dann wäre es endlich vorbei mit rumpelnden Reimen und angestrengten Witzeleien. Die Hoffnung in der Zunft ist, „dass mit KI wirklich etwas Intelligentes rauskommt“, wie es aus Insider-Kreisen hieß.
In Sachen KI ist aber noch vieles möglich. Lernende Systeme könnten am Ende die Zunft vielleicht sogar ersetzen: Es wären keine Wadelkappen mehr nötig, die KI würde alles selber regeln. Aber an ein solches K.O. durch KI will bei der Zunft noch keiner denken.