Der superproduktive OB – dank Zypern und der Liebe
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Erst gackern, wenn man auch was zu legen hat. Das ist die brandneue Maxime der Stadtverwaltung Rottweil, die ihr der Oberguller, äh, -bürgermeister Dr. Chris Schrei vorgegeben hat. Und um Gelegtes hervorzubringen (wir wollen doch im Bild bleiben), muss man intensiv arbeiten. Konzentriert, fokussiert, ablenkungsfrei. Wir wissen, wie Dr. Schrei das macht. Und wir wissen selbstverständlich, wie er es noch besser machen könnte …
Konzentriertes Arbeiten ist der Schlüssel zur Produktivität. Hammersatz, gell? Aber er stimmt einfach. Während Ihr Verklepferredakteur an diesen Zeilen sitzt, ist sein Arbeitszimmer leicht abgedunkelt, nur die Tastatur scharf beleuchtet. Der Sessel ist bequem, dampfender Tee steht bereit, abends freilich ein, zwei Kästen Fasnetsbier. Und der Herr Redaktör lässt sich beim Schaffen von einer App in 2.1-Stereo musikalisch berieseln. „Relax, Energieanstieg am Mittag“, heißt das laufende Programm. Das ist wie Wellness für die Ohren und den dazwischen liegenden Geist. Das ist wie Aufzugmusik, nur besser, es lenkt null ab. Es lullt ein. Und finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, nicht, dass die Zeilen dadurch nur so dahinfließen?
Störfaktoren vermeiden, ein ansprechendes Arbeitsumfeld schaffen, das ist auch für ein Reichs- und Narrenstadt-Oberhaupt superwichtig. Hat doch auch sein Tag nur 24 Stunden, die produktiv genutzt werden wollen. Wichtige Entscheidungen sind zu treffen – kommt die Hecke in der Kampitschstraße weg, und wenn ja, wann? Wann sag‘ ich den Leuten das mit der U-Bahn? Gibt’s net doch irgendeinen Grund, der für eine Einbahnstraß‘ am Friedrichsplatz spricht? Irgendeinen? Soll ich nach dem Parkhaus samt Sportgeschäft noch ein Häusle kaufen? Und dazwischen: Mails beantworten, in die Obere Hauptstraße wunderfitzen, telefonieren, Memos lesen und die NRWZ. Da stellt sich doch die Frage: Wie macht der Mann das bloß?
Kürzlich konnte das Verklepferblättle OB Chris Schrei interviewen – zu allem Möglichen, aber eben auch zu seiner ganz persönlichen Arbeitsumgebung. Ja, erklärte der Schultes, er sorge in seinem altehrwürdigen Büro hinter den Butzenscheiben für eine angenehme, ablenkungsfreie Atmosphäre. Dazu höre er Radio. Und zwar einen – halten wir uns gemeinsam fest – zypriotischen Sender. „Da kommt gute Musik und von dem, was sie dazwischen erzählen, verstehe ich nix“, begründete Schrei das. Wir haben es ausprobiert mit einem Live-Radio aus Zypern: Zwischen „Learning To Fly“ von Tom Petty, einem Titel, der uns als Redaktöre immer schon angespornt hat, und was von einem uns unbekannten Sam Fender kam irgendein völlig unverständliches Gebabbel. Mit Urlaubs-Untertönen, aber komplett unzugänglich. Sensationell. So lässt sich schaffen.
Wir wären aber nicht Original-Verklepfer-Redaktöre, wenn wir nicht noch Verbesserungsvorschläge hätten. Drei Stück an der Zahl:
- So verfügt die Rathaus-Belegschaft doch über einen hauseigenen Dampfplauderer: den Tabios Harmenn aus der Marketing- und PR- und Presseabteilung. Dessen Mundwerk scheint nahezu unkaputtbar, außerdem verfügt der Mann über eine dauerhaft gute Laune. Das ist ein Gesamtpaket, das die Performance des OBs stark steigern könnte. Schrei muss sich den Harmenn nur in eine Ecke seines Büros setzen, vielleicht gleich zur Pürschgerichtskarte. Dann muss er ihm einen Radiorekorder (gibt es so was heute noch?) in die Hände drücken und ihn zum Dauerberieselungs-DJ ernennen. Wir haben den Selbsttest gemacht: Hört man etwa eine Viertelstunde Harmenns Plapperei („also, wie gesagt …“) zu, unterbrochen allenfalls von seichten Schlagern, fangen die Finger wie von selbst zu tippen an, sind die Mails rasch gecheckt, ein Bauantrag geprüft oder der Haushalt der Stadt Rottweil nachgerechnet.
- Wenn das nicht klappt, weil der Harmenn halt nur Deutsch spricht und allenfalls Englisch und ein paar Brocken français und kein zypriotisch, dann muss der OB ihn wieder rauswerfen (nur aus dem Chefbüro, wir von der Presse brauchen den Mann ja noch), aber den Radiorekorder behalten. Mit dem muss er nur einen Tag und eine Nacht lang den Neckar bei der Dreher’schen Mühle aufnehmen, wenn der gerade, sagen wir, Mittelwasser führt. Dieses Rauschen ist dermaßen beruhigend und fokussierend, das bekommt kein zypriotischer Radiosprecher hin.
- Natürlich gibt es noch eine ganze Menge weiterer Tipps wie …
- die Fenster aufreißen und öfter mal frische Stadtluft reinlassen,
- den Schreibtisch aufräumen, die Dinge darauf schön organisieren, und, und und.
- Aber wir haben den sensationellen Supertipp für Schultes Schrei! Einen Tipp, der beflügelt und schaffen lässt mit einer Beschleunigung, als wär man ein Maserati Biturbo, als wär‘ man der heißeste Animatör auf Zypern und auf Koks. Wir sagen hier nur: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben, bamm-bamm-bamm, na-na-na-na-na-na!“ Und können verraten: Ja, bei unserem Schultes hat der Frühling mit Macht eingesetzt, hören wir, schon am Abend des Schmotzigen möchte er seine neue Holde der geneigten Stadtgesellschaft präsentieren. Und so lautet unser naheliegender Supertipp: Lassen Sie der Liebe ihren Lauf, verehrter Herr Schrei, setzen Sie die rosa Brille längstmöglich auf, sausen Sie, getroffen von Amors Pfeil, wie ein Jungspund ins Rathaus und erledigen Sie Ihren Job mit links. Wir freuen uns für Sie.
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